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elpollodiablo
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kaleidosblog

     
11.01.2007 18:58

hallo mensch.

eigentlich wollte ich ja vor wochen schon wieder etwas schreiben. über die die ungarische revolution 1956, den film "V for Vendetta" und die österreichische immigrationspolitik. das hätte auch zu tun gehabt mit dem baum der umfällt und überraschenderweise doch ein geräusch macht ... aber nach einigem überlegen war ich dann zu dem schluss gekommen, dass nach dem guten alten gauss mit seiner kurve zu schliessen letztendlich doch die mehrheit zu blöde gewesen wäre, zu verstehen worum es mir geht. das ist der eine (haupt-) grund für das fehlen dieses artikels. der andere war, dass ich es schlicht nicht fertig brachte meine gefühle über freiheit, revolution und die österreichische flüchtlingspolitik auch nur annähernd zu tft zu bringen.

nun, deswegen heute ein kleineres päckchen. nur ein Teil (ein winziger) derselben thematik, aber hoffentlich besser zu verdauen.

menschenwürde. mal kurz zurücklehnen, nachdenken, - keine angst, ich geh nicht weg - ... was ist menschenwürde?

ich war unlängst einer sehr irritierenden diskussion über unter anderem dieses wort und die dahinterstehenden werte zeuge, und hab das zum anlass genommen, ein wenig nachzudenken. (nicht zuviel natürlich, sonst hätt ich wieder einen artikel nicht schreiben können ...)

gibt es überhaupt die menschenwürde? wenn ja, was ist sie? oder wenn nein ... ... mhm ja doch, das nehmen wir.

und fragen wir anders, das hilft vielleicht: wenn einer über die menschenwürde spricht, die eines sechsjährigen, geistig schwerst behinderten kindes, dass sich nicht selber umdrehen, geschweigedenn einen gedanken über sein selbst und seine würde bilden kann (und die eltern deswegen entscheiden, es in seiner körperlichen entwicklung medizinisch einschränken zu lassen) - worüber spricht er? die würde von wem genau?

was heisst es, wenn der behandelnde arzt sagt, das kind könne soetwas wie würde sowieso nicht empfinden?

und wovon redet einer, der sich gegen folter ausspricht?

und wie hält es der, der sagt "das mache ich nicht, das ist unter meiner würde?"


exkurs: intrisische eigenschaften beschreiben das innere, von innen kommende. extrinsische den einfluss von aussen, das ausserhalb liegende. ein apfel wird intrinsisch mostig, aber extrinsisch wurmig.


man könnte also sagen, der oberbegriff menschenwürde ist bipolar. im wesentlichen stellte es sich dann so dar: der extrinsische Teil der menschenwürde ist das, was ein mensch dem anderen zuspricht, um sicherzugehen dass der andere auch dazu angehalten ist, es ihm zuzusprechen: das kant'sche mirnichdirnich-prinzip. wenn wir das alle befolgen, geht es uns allen gut. wenn einer diese regeln bricht, muss er bestraft/verfolgt/weggekerkert werden, weil sonst funktioniert das nicht mehr.


exkurs: kant hat mal gesagt "was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem and'ren zu." nett von ihm das so zu formulieren, so merkt man sichs wirklich gut. die mathematiker haben dann später versucht, das selbe thema nochmal neu zu vertonen, und herausgekommen ist die spieltheorie, die sich weitgehend damit beschäftigt inwiefern parteien sich in systemen gegenseitig niedermachen können und dennoch überleben - und dass sie das mit dem niedermachen doch besser gelassen hätten.


der intrinsische, von innen erlebte Part wäre aber jener, den wir uns selber einbilden. der teil in uns, der uns sagt: "du bist gut." diesen teil nimmt man oft erst wahr, wenn er beschädigt ist: etwa wenn man zuviel lügt und man sich dem lügen nicht mehr entziehen kann, oder sich anders ins unreine mit sich selbst bringt, gedemütigt wird (und das einem nahe geht) oder eben etwas tut dass einem sonst nicht entspricht.

wo finden wir das denn noch? - genau, in der bibel. Du sollst nicht lügen, stehlen, deines nächsten weib begehren: kurz, tu einfach nichts was Dich selber mieser macht als Du eh schon bist. was ist das fegefeuer anderes als von sich selbst, seinem wesen durch unredliche aktionen der vergangenheit entfernt zu sein?

ein zyniker könnte nun sagen: "gut, der extrinsische begriff der menschenwürde ist der der humanisten, der intrinsische der der pfaffen". aber ich bin kein zyniker (zwinker) - denn: nahezu jeder umstand der einem von sich selbst innerlich entfernt hat zu tun mit der interaktion mit anderen menschen. wenn wer lügt, wird wer angelogen - und das ist wohl unter dessen würde. wenn wer stiehlt, wird wer bestohlen: was wiederrum die würde des anderen untergräbt. foltert wer ... nun, das ist doch wohl klar, ist es nicht?

(aber wenn sich wer verkauft - gell herr doktor gusenbauer - dann besteht auch die möglichkeit dass man einfach nur eine schlampe ist.)


frage: bist Du schonmal beklaut worden? es ist doch irgendwie ein seltsames gefühl, dass ein wildfremder mensch mit den eigenen, teils hochpersönlichen habseligkeiten herumrennt.


das gefühl der würde kann aber auch zerbrechen, an die unkenntlichkeit verstümmelt werden - eben auch durch den einfluss von anderen menschen oder widrigen umweltsituationen (wie im dreck leben zu müssen). und da bricht auch der kreislauf mit dem äusseren: einen sandler, der (wodurch auch immer) den glauben an sich selbst verloren hat zu ignorieren, wird leichter fallen, als einen freundlichen portier zu ignorieren. eine gehässige alte frau aus döbling die über asylanten ätzt und sich über die 0.3% kürzung ihrer 3000 eur rente beklagt, wird eher mal wegen Ihrem pelz angepöbelt als eine, die an der armut der auf der strasse lebenden menschen anteil nimmt und einem sandler freundlich zunickt. letzteres manchmal vielleicht mehr wert als ein paar cent an den armen lump.

selber keine würde (manche sagen dann "anstand" dazu) zu haben, lässt es leichter fallen, sie einem anderen zu nehmen - oder es zumindest zu versuchen. eine behauptung, ja, allein die us amerikaner untermauern diese wenigstens wöchentlich in den nachrichten über die diversen "legalen" verhörmethoden.

der mensch ist nicht in der spieltheorie gefangen - das mirnicht-dirnicht zieht nicht so reibungslos wie uns das soziologen manchmal glauben machen wollen. der mensch hat die möglichkeit auszubrechen, an sich selbst wachsen zu können. und das wiederrum ist wohl wenigstens ein teil der bedeutung des wortes "selbstbestimmung". und vielmehr als das: der mensch hat die innere notwendigkeit, im äusseren umstände für andere menschen zu wahren die er für sich selbst braucht.

aber wenn Ihr mal hört, dass ein d-wagen von nussdorf zum südbahnhof in die luft geflogen ist - dann könnt Ihr ruhig vermuten, dass mir da eine "dame" im nerz aus döbling zuviel drin sass... und ich versucht hab, für sie ein wenig würde zu bewahren.
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